Die Regeln von Meister Funakoshi und ihre Bedeutung für unser (Berufs-)Leben


Meister Gichin Funakoshi hat bereits vor über 100 Jahren 20 Regeln zur Förderung der mentalen Entwicklung seiner Schüler aufgestellt. Diese Regeln haben heute mehr denn je Gültigkeit, nicht nur für Karatekas, sondern geben auch Denkanstöße für unser modernes (Berufs-)Leben. Hier stelle ich dir einige dieser Regeln und ihre Bedeutung vor:

„rei“ beinhaltet sowohl die Achtung der anderen als auch Achtung vor sich selbst, denn ein wertschätzendes Verhalten sich selbst gegenüber ist die Grundvoraussetzung für die Wertschätzung anderer.

 

Betrachtet man die Berufswelt, so hat man oft das Gefühl, dass es an Respekt mangelt, Stichwort „Ellenbogen-Mentalität“. Erst ein respektvolles und kooperatives Miteinander bringt nachhaltigen Erfolg.

 

Begegne dir und deinen Mitmenschen/Arbeitskollegen mit Respekt, dann respektieren auch sie dich!


Diese Regel unterstreicht die absolute Notwendigkeit von Geduld und Nachsicht. Betrachtet man jedoch unsere heutige hektische und ungeduldige Welt, so muss man feststellen, dass gerade diese wichtigen Eigenschaften abhandengekommen sein müssen. Alles muss schnell gehen. Im Straßenverkehr wird gehupt und wild gestikuliert und im (Berufs-)Leben entnervt geschimpft, sobald etwas nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Rücksicht auf andere? Fehlanzeige! Doch gerade die Ruhe und Besonnenheit ist der Schlüssel zu einem zufriedenen Leben. Diese Eigenschaften schenken uns Energie und bringen uns Menschen wieder einander näher.



Um sich selbst erkennen zu können, muss ich mir meiner

selbst bewusst sein, meiner Stärken und Schwächen, meiner Bedürfnisse und Ängste. Selbstbewusstsein setzt sich zusammen aus „Selbst“ und „Bewusstsein“.

Selbst-Bewusstsein ist der Schlüssel für ein präsentes und damit zufriedenes Leben! Selbstbewusstsein hat nichts mit Einbildung und Selbstüberschätzung zu tun! Diese Eigenschaften haben keinen Platz im Karate und sollten sie auch keinen in unserem (Berufs-)Leben haben!

 

Gerade im (Berufs-)Alltag sollten wir uns unserer aktuellen Situation stets bewusst sein. Damit lassen sich Routinen aufdecken. Erst wenn mir Dinge bewusst werden, kann ich sie ändern. Nehmen wir ein Beispiel aus der heutigen Berufswelt. Es muss mir bewusst sein, dass ich z.B. gerade durch den Gang hetze und 5 Dinge gleichzeitig im Kopf habe. Ist es mir nicht bewusst, so stecke ich in einer

Routine fest und am Ende des Tages spüre ich nur die Auswirkungen: ich bin erschöpft, gereizt, lustlos... Wird es mir hingegen bewusst, so kann ich aktiv dagegen steuern und den Zustand ändern: Stopp, langsam, Pause, eins nach dem anderen…


Diese Regel lässt sich auf viele Facetten unseres Lebens übertragen: Mehr als 90 % aller Verkehrsunfälle gehen auf das Konto von Unachtsamkeit. Bei unserer Arbeit kann Unkonzentriertheit eine ausgedehnte Vorbereitung oder sogar ein ganzes Projekt zunichtemachen. Sorglose Vorbereitung oder völlige Nachlässigkeit sind die Gewähr für Unheil. Im Karate ist die Geistesgegenwart "Zanchin" von zentraler Bedeutung.
Daher tue Dinge ganz, mit voller Aufmerksamkeit und Leidenschaft oder lasse es ganz! Bleibe konzentriert im HIER und JETZT und lass dich nicht von vielen unwichtigen Kleinigkeiten ablenken. Multitasking ist eine Lüge und sorgt nur dafür, dass du dich nicht 100% auf eine Sache konzentrieren kannst und sich die Wahrscheinlichkeit für Unheil erhöht.


Hier geht es um das Thema Dranbleiben und Durchhaltevermögen, aber auch um lebenslanges Lernen. Heute begegnen wir oft der „Das war‘s-Mentalität“. Lehre oder Studium abgeschlossen und gut ist! Doch gerade für unsere persönliche Entwicklung ist es von entscheidender Bedeutung sich permanent weiterzubilden. Unser Gehirn ist durch seine Plastizität in der Lage bis ins hohe Alter neue Dinge zu lernen. Nutz diese Fähigkeit, bleibe an etwas dran und werde zum Meister dessen was in dir brennt.